Gegensätze ziehen sich an

Die ‹Chesa Veglia› gilt heute als eines der ursprünglichsten und beliebtesten Ausgehmöglichkeiten in St. Moritz. Die drei Restaurants und zwei Bars stehen nicht nur bei den Gästen des Traditionshauses hoch im Kurs, viele Einheimische geniessen regelmässig ein Essen im urigen Bauernhaus.

Doch zurück zum Anfang: Hans Badrutt erwarb 1934 das Engadiner Haus, das früher auch als Stall für Nutztiere diente. Während zu dieser Zeit viele festliche Bälle und prunkvolle Galadinner im Hotel stattfanden, feierte die Jugend im «Stübli», einem Raum im Engadiner Stil direkt neben der Bar im Badrutt’s Palace Hotel.

Von der übrigen Gästegesellschaft wurden die Veranstaltungen der jungen Generation eher als störend wahrgenommen. Brauchte man doch Ruhe und Konzentration bei spannenden Bridge Partien oder bei wichtigen Geschäftsgesprächen und einem Glas Whisky.

Eine Lösung musste her und so verfolgte Hans Badrutt mit dem Kauf der ‹Chesa Veglia› eine ganz neue Strategie. Äusserlich und architektonisch behielt er das ursprüngliche Aussehen des Gebäudes bei, im Inneren setzte der Hotelier eines Luxushauses auf einfache, authentische Elemente, die eng mit dem Engadin verbunden waren. Es entstanden gemütliche Räumlichkeiten, die bis heute nichts an dem Engadiner Charme und der innigen Wärme eingebüsst haben. Zur Eröffnung am 28. Dezember 1935 erschienen, neben der neugierigen Jugend, auch royale Persönlichkeiten aus Siam, die gerade ihren Aufenthalt im Badrutt’s Palace Hotel genossen.

Trotz oder vielleicht gerade weil die ‹Chesa Veglia› kaum gegensätzlicher sein könnte als das Badrutt’s Palace Hotel war sie nicht nur 1936 sondern auch in den Folgejahren der Hot-Spot in St. Moritz. Das Restaurant schafft es bis heute die Reichen und Schönen, die junge Generation sowie die lokalen Bevölkerung gleichermassen anzuziehen und zu begeistern.