Ein Tag im Leben eines Concierge

Was unterscheidet einen «gewöhnlichen» Urlaub von einem richtig aussergewöhnlichen? Sicherlich machen eine schöne Lage und eine angenehme Unterkunft schon viel aus. Aber seien wir doch einmal ehrlich: Das ultimative Detail, das einen Urlaub zur Traumreise werden lässt, ist dieses herrlich relaxende Gefühl, dass Ihnen jeder Wunsch von den Lippen abgelesen wird und Sie ganz einfach Ihre Seele baumeln lassen dürfen. Dafür sorgt im Badrutt’s Palace Hotel der Concierge, der viel mehr ist als ein Mann beim Eingangsbereich. Er ist die Garantie dafür, dass sich unsere Gäste rundum wohl fühlen.

Seit wann sind Sie schon Concierge im Badrutt’s Palace Hotel?
Ich bin seit 1999 als Head Concierge im Badrutt’s Palace Hotel angestellt.

Wie wird man eigentlich Concierge? 
Nun, da gibt es zwei Aspekte. Der eine ist die Ausbildung zum Concierge, in der man die Fachkompetenzen, die sogenannten Hardskills, erlernt. Der andere, meiner Meinung nach viel wichtigere Aspekt, sind die Softskills, also Ihre Attitüde und Persönlichkeit. Concierge ist nicht nur ein Beruf - es ist eine Leidenschaft!
Um auf die Hardskills zurückzukommen, als gute Voraussetzungen gelten mindestens fünf Jahre Berufserfahrung in der Hotellobby und mindestens zwei Jahre in einer Concierge-Tätigkeit. 
In der Zeit, als ich meinen Ausbildungsabschluss im Hotelmanagement machte, konnte man noch die Fachrichtung «Concierge» wählen, was ich auch getan habe. Ich verliebte mich in diesen Beruf, und seither habe ich ihm ewige Treue geschworen.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitstag aus?
Unser oberstes Gebot ist es, die Bedürfnisse unserer Gäste täglich und rund um die Uhr zu erfüllen. Dazu müssen wir natürlich unseren Terminkalender sowie die Liste der Anreisenden und der Gäste im Kopf haben und stets alle Ereignisse im Hotel und rund um St. Moritz im Auge behalten.

Was mögen Sie an Ihrem Job am liebsten?
Das Wichtigste ist für mich der persönliche Kontakt mit unseren Gästen. Wir haben viele Stammgäste, die Jahr für Jahr wiederkommen. Durch sie haben wir das einmalige Privileg, persönliche Beziehungen mit ihnen aufzubauen.

Welcher Gästewunsch war der wunderlichste, den Sie je erhalten haben?
Nun, ich würde die Wünsche unserer Gäste nicht als wunderlich bezeichnen. Es sind persönliche Wünsche, die von Gast zu Gast unterschiedlich sind. Ich kann mich an eine Story erinnern, die sich in meinem ersten Arbeitsjahr im Badrutt’s Palace Hotel zugetragen hat: Wir mussten sehr kurzfristig für einen unserer weiblichen Gäste einen persönlichen Friseur mit dem Privatjet aus Aserbaidschan nach St. Moritz einfliegen lassen. Die Dame war nämlich überzeugt, dass nur er ihrem Haar den Look verpassen konnte, für den sie sich für den Empfang am nächsten Abend entschieden hatte. Ausserdem möchte ich Ihnen noch eine Episode erzählen, die sich vor kurzem ereignet hat, es ist die Geschichte von der Hochzeitstorte. Unser Pâtissier hatte für die Hochzeit eine wunderschöne, unglaublich grosse Torte kreiert. Ein Teil des Empfangs wurde in einer Berghütte in den Schweizer Alpen abgehalten. Das Problem war, dass die Torte viel zu riesig war, um sie mit dem Sessellift hinaufzubefördern. Also haben wir sie auf einem Tisch den ganzen Weg zu Fuss hochgeschleppt. Sehen Sie: Die Wünsche unserer Gäste sind gar nicht so kurios. Es sind persönliche Erfahrungen und Erinnerungen, und ich bin glücklich, daran teilhaben zu dürfen.

Und welches sind die geläufigsten Wünsche?
Die meisten Gäste fragen uns nach unserem persönlichen Highlight oder unserem geheimen Zufluchtsort. Der Trick dabei ist, die Antworten jedes Mal anders zu formulieren und die Ideen und Anregungen auf jeden Gast individuell abzustimmen.

Sind Sie für Ihre Gäste schon mal eine «Extrameile» gegangen? 
Mein Team und ich versuchen tagtäglich, die «Extrameile» zu meistern. Einmal habe ich als Babysitter ausgeholfen, damit einer unserer Stammgäste ein romantisches Dinner geniessen konnte, ohne sich um das Kind sorgen zu müssen. Diese Gäste besuchen unser Hotel bis heute, und das Kind ist inzwischen gross genug, um allein im Hotelzimmer zu bleiben. Wir erinnern uns oft und gern an diesen Babysitter-Abend, dadurch fühle ich mich auf besondere Art dauerhaft mit dieser Familie verbunden. Ja, ich bin stolz, an jenem Abend die «Extrameile» gegangen zu sein - auch wenn Babysitting nicht unbedingt in meinen Aufgabenbereich fällt.

Wenn Sie einen Aspekt an Ihrem Job ändern könnten, welcher wäre das?
Gar nichts, ich liebe meinen Job so wie er ist.

Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der Concierge werden möchte? 
Wie schon gesagt, ich denke, es ist alles eine Frage von Persönlichkeit und Attitüde, aber auch ein gewisses Gespür für Understatement und beständiges berufliches Engagement gehören dazu.

Was bedeutet Badrutt’s Spirit für Sie?
Badrutt’s Spirit ist die Seele unseres Hotels, die Luft, die es zum Leben braucht. Aber wenn Sie wirklich verstehen wollen, was den Badrutt’s Spirit ausmacht, müssen Sie schon zu uns kommen und ihn einfach erleben.

Was macht das Badrutt’s Palace Hotel so besonders oder einzigartig? 
Das Badrutt’s Palace Hotel ist einzigartig, weil Sie sich erhaben und königlich fühlen, sobald sie es betreten. Die geschichtsträchtigen Wurzeln und die Tradition des Hotels reichen ins Jahr 1896 zurück, und im Sommer 2016 feiert es sein 120-jähriges Bestehen.

Was sollten sich Gäste in St. Moritz nicht entgehen lassen?
Ich würde sagen, an der aufregenden Berglandschaft und dem glamourösen Ambiente der Stadt führt kein Weg vorbei.

Interview mit Giuseppe Pesenti - Head Concierge