Gunter Sachs: Kunst im Badrutt’s Palace

Er war Playboy, Fotograf, Industrieller, Kunstsammler und – nicht zu vergessen – leidenschaftlicher Hobbysportler und -astrologe: Gunter Sachs genoss in St. Moritz Kultstatus, und das Badrutt’s Palace Hotel war der Ort, an dem er am liebsten einen extravaganten Winterurlaub verbrachte.                                                   

Als Enkel des Opel-Gründers war Sachs Nachkomme einer wohlhabenden Familie, und nicht als studierter Mathematiker erlangte er in Europa und sogar weltweit Berühmtheit, sondern als Playboy. Gerüchten zufolge war der charmante, gebildete junge Gunter Sachs mit mehreren Frauen liiert, einschliesslich der ehemaligen Kaiserin des Iran, Soraya Esfandiary, und bildete gemeinsam mit Granden wie den Kennedys, Salvador Dalì, Gianni Agnelli, Coco Chanel und vielen weiteren das Herzstück des europäischen Jetset.

Trotz seines Rufs als Playboy hatte Sachs auch eine andere Seite – jene eines Romantikers, der sogar drei Mal heiratete. Seine erste Gattin verstarb 1958 unter tragischen Umständen während einer Operation, und so blieb der 26 Jahre alte Gunter als blutjunger Witwer allein zurück. Einige Jahre später traf Sachs auf Brigitte Bardot. Es war Liebe auf den ersten Blick! Die französische Schauspielerin war gerade für Film-Dreharbeiten am Genfer See zugegen, als Sachs auf sie aufmerksam wurde. Um sie zu beeindrucken, liess er einen Hubschrauber über ihr Haus fliegen, der Hunderte von Rosen in ihren Garten abwarf. 1966 fand schliesslich in Las Vegas die Hochzeit statt. Obwohl ihre Ehe nur drei Jahre hielt, wurde das Paar von der Presse vom ersten Tag an auf Händen getragen. 

Sachs liebte es, seinen Winterurlaub in den Schweizer Alpen zu verbringen, und so wurde St. Moritz für die kalte Jahreszeit zu seinem Wohnsitz auserkoren. Seine Aufenthalte im Badrutt’s Palace Hotel waren schlicht und einfach legendär. Als begeisterter Kunstsammler zählte er Meisterwerke von Jean Fautrier, Andy Warhol, René Magritte, Salvador Dalì undRoy Lichtenstein zu seiner umfangreichen Sammlung. Aber damit nicht genug – Sachs war auch stolzer Besitzer wichtiger Werke aus der Schule des Nouveau Réalisme (neuer Realismus), unter anderem von Yves Klein, Arman und César. Viele dieser Meister waren am Design der ikonischen Pop-Art-Wohnung im Badrutt’s Palace Hotel beteiligt, die sehr schnell zu einer weltweiten Sensation wurde. So wurde die Küche mit allen zehn Marilyns von Andy Warhol dekoriert, und das Badezimmer erstrahlte im Design von Roy Lichtenstein. Mit dem Ergebnis, dass das Penthouse des Badrutt’s Palace Hotel zu einem Kunstwerk an sich wurde. Sachs’ Vermächtnis im Badrutt’s Palace Hotel lebt auch heute noch weiter.

Um es in seiner Formulierung wiederzugeben: Wie auf einem Kreuzfahrtschiff segelt man durch den Winter, verbringt Tage am abenteuerlichen Cresta Run, beim Bob-Club (dessen Präsident er war) oder beim Skifahren oder Mittagessen neben der Piste. In der Nacht pflegte Sachs in der Chesa Veglia zu dinieren, sich im Palace Grand Bar mit Menschen zu umgeben, oder im King’s oder im Dracula Club, den er gemeinsam mit ähnlich geistreichen Freunden in den 1970er-Jahren gründete, das Tanzbein zu schwingen. 

Keine Frage – seit den 1960er-Jahren hat sich natürlich so einiges verändert, auch der Jetset. Eines jedoch ist gleich geblieben: Heute noch können die Gäste des Badrutt’s Palace Hotel dieselbe hochkarätige, kosmopolitische Atmosphäre geniessen und in Erinnerungen an die Zeit schwelgen, in der ein wunderbarer Künstler ein grandioses Penthouse zu einem noch grandioseren Penthouse machte.